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Raphael wird Messdiener

Ich habe es ja bereits in anderen Blogartikeln erwähnt: ich liebe unsere Gemeinde!

Raphael wurde gegen Ende der Kommunionszeit gefragt ob er nicht, nach der Kommunion, Messdiener werden möchte. Und das sie sich freuen würden, wenn er es sich mal anguckt und vielleicht dann auch mitmischen möchte.

Auch dies zeigt mir wie sehr sie Raphael schätzen und das er dort auf Menschen getroffen ist die ihn nehmen wie er ist, locker über seine Schwächen hinwegsehen und bis zu seinem Herzen sehen.

 

Für mich macht genau das der christliche Glaube aus. Oder sollte es zumindest. Nächstenliebe für mich ganz zentral. Und hier bei uns wird sie tatsächlich gelebt.

Und ist keine leere Phrase. Wie z.B. in einer evangelischen Gemeinde bei uns in der Nähe die damals Raphael nicht in der Kita haben wollten und uns dies auf sehr verletzendem Weg mitteilten. Vielleicht berichte ich aus der schwierigen Zeit irgendwann mal. Aber zurück zu Raphael und unserer Kirche, bevor mir wieder die Wut hochkommt und ich ja eigentlich über etwas Schönes berichten wollte :)

 

Raphael war stolz das er gefragt wurde und hatte sich überlegt das er das gerne probieren will. Und zwar als Chef der Overheadfolien ;)

Bei uns in der Kirche werden meist die Liedtexte mit einem Projektor an eine große Leinwand geworfen. Das fand er super interessant, er half dort auch mal aus und machte es gut (Natürlich nicht ohne zu probieren sein geliebtes "Laudato si" mehrmals aufzulegen ;)

Allerdings ist es da von Vorteil, bzw. notwendig, dass man gut und schnell (mit-)lesen kann. Des Öfteren muss man die Folie wieder hoch zum Refrain und dann wieder runter zu der entsprechenden Strophe schieben. Also für Raphael doch eher schwierig oder es mus simmer jemand bei ihm sitzen.

Man bot ihm Chef der Schellen, Kerzen oder des Klingelbeutels an :D


Los ging es an einem Sonntag nach dem Gottesdienst, es wurde mit allen neuen Interessenten geprobt und erzählt was man beachten soll. Raphael war mit Feuer und Flamme dabei, hat aufmerksam zugehört und mitgemacht.

 

Direkt eine Woche später durfte er schon als neuer Messdiener mit in den Sonntagsgottesdienst.

Er trug die Kerze rein und hat vor Stolz nur so gestrotzt. Grinsend 10cm größer und blinkend (er hatte natürlich seine Lieblingsblinkeschuhe an ;) schwebte er mit den anderen an unserer Bankreihe vorbei nach vrone.

 

Nach einer Einführung rief der Pfarrer Raphael zu sich und stellte ihn der Gemeinde vor und riss dabei seinen Arm in die Höhe als hätte er beim Boxen gewonnen. Die ganze Gemeinde applaudierte Raphael und man konnte sehen wie gut ihm das tat, Er strahlte über alle Backen und freute sich wie ein Keks. Auch die anderen neuen Messdiener wurden so begrüßt.

Später gab Raphael dann noch den Klingelbeutel rum.

 

Bei uns gibt es zwei große Messdiener, die Raphael und die Neuen unter ihre Fittiche genommen haben und die Kinder notfalls in die richtige Richtung "schieben", sie machen es echt toll und geduldig mit Raphael.

Und er macht es richtig gut.

Man merkt das ihm das lange ruhig sitzen noch etwas schwer fällt, aber auch das meistert er gut. Rutscht eben ab und an etwas auf dem Stuhl herum, baumelt mit den Beinen, oder winkt unserer Kirchensängerin zu, die hinter ihm sitzt.

Auch das Brot des Lebens ißt er nun ohne wirkliche Probleme, schliesslich machen das ja alle Messdiener (und das Gewand hat keine Tasche um sie unbemerkt einzustecken, wie er beim 1. mal feststellte ;)

 

Einen Sonntag später sagte er mir dass er zusätzlich auch noch dem Pfarrer das Essen oder trinken bringen möchte ;)

Das erklärte er auch den anderen in der Sakristei und neben der Kerze half er tatsächlich und brachte den Wein. Dann ging es ans knien (das Raphael noch üben muss, er setzt sich immer auf die Ferse dabei) und er überholte kurzerhand den Messdiener neben sich und platzierte sich neben den Schellen. Der große Messdiener flüsterte ihm etwas zu, aber Raphael ließ sich nicht beirren und krallte sich die Schellen sicherheitshalber schon mal und schellte dann als die Zeit dran war gut und richtig (geübt hatte er das bisher nicht, aber wahre Meister sind eben Naturtalente... ;)

 

Später erklärt ich ihm das er es zwar super gemacht hatte, sich aber schon an Absprachen halten muss und die anderen ja auch noch was helfen wollen. ;) Auch wenn er es etwas schade findet da keine One-Man-Show draus machen zu können, hat er sich seitdem dran gehalten.

 

Seither war er jeden Sonntag und auch an Pfingsten unter der Woche Messdiener und hat verschiedene Aufgaben ausgeführt.

Auch meine Eltern kamen 2x vorbei um den stolzen Enkel bei der Arbeit zu zu sehen.

 

Ich muss gestehen das ich Messdiener nicht forciert hatte, aber es ist toll mit anzusehen und Raphael macht es Spaß und er ist stolz auf sich. Also unbezahlbar. Bei uns ist auch alles locker, es hieß, wenn er da ist und Lust hat mitzumachen ist es gut, wenn er aber sonntags was Anderes vor hat oder mal ausschlafen möchte auch kein Problem. Können wir ganz flexibel handhaben.

Das lief bei uns in der Gemeinde damals als Kind doch sehr anders und ein Grund warum ich kein Messdiener wurde. Mein Pfarrer damals hätte auch niemanden mitmachen lassen der nicht X mal vorher geübt hatte und hätte neuen Messdienern auch ganz sicher nicht applaudieren lassen. Da gab es während des Gottesdienstes nichts zu lachen. Unser Pfarrer macht selbst Scherze oder nimmt in der Predigt, Politiker und Kirchenmänner auseinander und auf sympathische Art kein Blatt vor den Mund.

 

Bei uns in der Gemeinde läuft eben vieles anders als bei anderen und genau dafür liebe ich sie ja :)


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Unser Zebra Blog: Wir sind eine 4-köpfige Familie aus Mainz. Papa Thomas ist Kommunikationsdesigner und Chef des Zebras, sowie Referent der landesweiten Service- und Beratungsstelle "Inklusion in der Weiterbildung" im Ingelheimer WBZ. Hobbys sind lesen und Zeit draußen verbringen und Mainz 05. Mama Katharina ist Mediengestalterin und Mama. Wenn Zeit ist sitzt sie an der Nähmaschine, auch Motivkuchen backen gehört auf ihre Hobbyliste. Sohn Raphael (*2009) ist Schüler und mag gerne Playmobil, Rollenspiele, chillen, Ausflüge in die Natur, Achterbahnen, Schwimmbad und vieles mehr. Momentane Berufswünsche: Märchenerzähler / Schauspieler, YouTube Star, Autoskooter Einparker, Knöllchenverteiler, ... Er hat ein extra im Gepäck, das Down-Syndrom, auch Trisomie 21 genannt, mit dem er uns nach der Geburt überraschte. Tochter Elena (*2012) die Jüngste in der Chaosbude ist auch Schülerin, spielt Geige, macht Yoga und ist in einer Zirkus AG. Ihre Hobbys sind außerdem schwimmen, Achterbahnen, mit Freundinnen treffen. Ihr Berufswunsch, schwankt auch zwischen Märchenerzählerin und YouTube Star, aber auch Detektivin, Archäologin oder Meeresbiologin steht auf ihrer Wunschliste weit oben. Elena ist außerdem Buchautorin.


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